Die besten Content-Management-Systeme: Hidden Champions

27. August 2021

Der große CMS-Vergleich 2021 

Teil 2: Hidden Champions

In unserem BLOG-Artikel “Der große CMS-Vergleich” sind wir auf die bekannten, gängigen Content-Management-Systeme eingegangen. Natürlich haben diese Systeme ihre Berechtigung. Dennoch können und wollen wir nicht verheimlichen, dass unsere Liebe eigentlich anderen CMS gilt: den Newcomern und etwas unbekannteren Systemen, die wir als Hidden Champions sehen. Im Vergleich zu den Branchenriesen sind sie oft schlanker, anwenderfreundlicher und können in den Bereichen Sicherheit und SEO den gängigen CMS überlegen sein.

Grav (https://getgrav.org/)

Content-Management-Systeme basieren in der Regel auf Datenbanken. Besuchen Nutzer eine Website, wird auf den entsprechenden Eintrag in der Datenbank zugegriffen. So weit so klar. Doch einige CMS gehen andere Wege und kommen ohne Datenbank aus. Stattdessen speichern diese Systeme alle notwendigen Informationen in Dateien und diese dann in einer entsprechenden Verzeichnisstruktur. Ein Beispiel für ein solches CMS ohne Datenbank ist Grav, für das Sie lediglich einen Webserver mit ausreichend Speicherplatz und mindestens PHP 7.3.6 benötigen.

Grav legt den Fokus auf Geschwindigkeit, vernachlässigt aber nicht den Design-Aspekt. Auf der offiziellen Website findet man sowohl die Installationsdaten (ein kleines ZIP-Archiv) als auch über 100 Themes, mit denen das Design individuell angepasst werden kann. Sie können die Funktionalität auch mit mehr als 350 Plugins erweitern, mit denen Sie beispielsweise das Backend für Administrationsarbeiten einrichten können. Wenn Sie nicht alle Einstellungen und Erweiterungen selbst zusammenstellen möchten, können Sie auch ein Skelett verwenden: Ein vorkonfiguriertes Paket, das bereits Beispiel-Websites enthält.

Made with Grav:
Drayton Partners
Milk River Outfitters

Kirby (https://getkirby.com/)

First things first: wir sind große Fans von Kirby und haben schon viele Projekte in diesem CMS umgesetzt. Das Flatfile-CMS hat vor Jahren unser Herz erobert und bis heute sind wir hochzufrieden.
Flatfile-CMS verfügen mehr oder weniger über Datenbanken. Aus diesem Grund werden CMS ohne Datenbanken und Flatfile-CMS oft in einem Atemzug genannt, sodass die Unterscheidung hierbei teilweise schwimmend ist. Flatfile-CMS bestehen hauptsächlich, wie der Name schon sagt, aus Flatfiles. Das bedeutet, dass kein komplexes und relationales Datenbankmanagementsystem wie MySQL oder MariaDB im Hintergrund läuft. Stattdessen setzen diese CMS Varianten auf eine Ordnerstruktur, die nur sogenannte Flatfiles speichert, die keine Referenzen aufeinander haben. In dieser Form können auch flache Datenbanken eingebunden werden.

Wie bei Grav reicht es für Kirby aus, nur die wenigen Dateien des Starterkits auf den Server hochzuladen (Apache 2, NGINX, LiteSpeed, Caddy). Hierfür muss lediglich PHP verfügbar sein. Grundsätzlich ist auch keine Admin-Oberfläche mit einem WYSIWYG Editor erforderlich. Sie können den Inhalt einfach mit einem Texteditor erstellen und dann in den richtigen Ordner auf den Server laden oder das Kirby-Panel verwenden – ein einfaches, übersichtliches Backend.
Das auch mit Flatfile CMS komplexe Projekte angegangen werden können, haben wir aktuell mal wieder mit dem internationalen Relaunch der Fishermans Friend Websites in 38 Sprachen gezeigt.

Made with Kirby:
Bauhaus: richtiggut.de (We did this!)
Outdoor Cinema (We also did this! ;) )

Craft (https://craftcms.com/)

Das Content-Management-System Craft wurde 2012 entwickelt, führt aber noch immer ein Nischendasein. Dies kann zwei Gründe haben: zum einen ist es für neue Produkte grundsätzlich schwierig, sich im hart umkämpften Markt zu etablieren. Der zweite Grund ist nicht unbedingt ein Nachteil: Wo WordPress auf einfache Bedienbarkeit setzt und es selbst unerfahrenen Nutzern ermöglicht, in wenigen Minuten einen ansprechenden Blog online zu stellen, spricht Craft deutlich stärker professionelle Entwickler an.

Während andere CMS auf vorgefertigte Themes setzen, um Anfängern das Design so einfach wie möglich zu machen, geht Craft davon aus, dass Profis ihren HTML- und CSS-Code lieber selbst schreiben. Dieser Ansatz bedeutet, dass das gesamte System sehr aufgeräumt ist. Der Code der Website bleibt übersichtlich und auch die Struktur der abgelegten Dateien ist logisch organisiert: Statt chronologisch geordnete Ordner zu verwenden, legen Craft-Anwender Regeln fest, welcher Dateityp in welches Verzeichnis gehört.

Craft hat auch ein übersichtliches Backend, in dem sich Content-Redakteure leicht zurechtfinden und neue Artikel online stellen können. Auch für das schlanke CMS wurden individuelle Plugins entwickelt, die den Funktionsumfang erweitern. Dass das CMS für professionelle Entwickler entwickelt wurde, spiegelt sich in der Preisgestaltung wider: Wer nur eine Website für sich selbst erstellt, bekommt eine kostenlose Lizenz. Wenn Sie jedoch Websites für andere Benutzer entwickeln möchten, müssen Sie eine Lizenz erwerben - und haben damit einmalige wie laufende Kosten.

Made with Craft:
Beedie School of Business
Samuelsohn

Pico (https://picocms.org/)

“A stupidly simple, blazing fast, flat file CMS” - so beschreibt sich das Pico CMS von Gilbert Pellegrom selbst - wir sind weit davon entfernt, es “stupid” zu nennen, aber einfach und schnell ist es.
Flatfile-Systeme sind bei Fans puristischer Lösungen beliebt, Pico bildet hier keine Ausnahme. Das CMS setzt klar auf Einfachheit und Schnelligkeit – und das nicht nur ohne Datenbank, sondern sogar ganz ohne komfortables Backend. Seiten werden mit Markdown-Dateien erstellt, die wiederum in die Verzeichnisstruktur auf dem Server einsortiert werden. Markdown ist eine einfache Auszeichnungssprache, mit der Text formatiert werden kann. Daher kann eine Seite für Pico relativ einfach in einem Texteditor geschrieben und mit den Markup-Elementen modifiziert werden. Das System aufzusetzen ist ein Kinderspiel, das Templating mit Twig genau so. Markup ermöglicht ein bequemes Schreiben auf nahezu jedem Gerät, da auf HTML-Tags gänzlich verzichtet werden kann. Einer dieser Punkte allerdings könnte den Einstieg erschweren: Twig. Bevor also in Pico gezaubert werden kann, muss zuerst Twig beherrscht werden, um ein Basis-Template zu erstellen.
Da das CMS auf ein Backend und damit auch auf einen entsprechenden WYSIWYG-Editor verzichtet, ist Pico nicht geeignet, die Content-Erstellung an eine Redaktion zu übergeben. Entwicklern wird die Arbeit hingegen viel leichter fallen, da keine Einstellungen in komplexen Datenbanken versteckt sind. Alle Konfigurationen befinden sich in einer eigenen Textdatei. Dadurch eignet sich das Flatfile-CMS sehr gut für kleine Projekte. Pico und sein Funktionsumfang lassen sich zudem mit verschiedenen verfügbaren Themes und Plugins erweitern.

Made with Pico:
Pico CMS

Bolt (https://boltcms.io/)

Ein weiteres Leichtgewicht unter den CMS ist Bolt. Der Ansatz der Entwickler bestand darin, ein schnelles System zu bauen, das sehr aufgeräumt ist und nur so viel bietet, wie die Benutzer brauchen. Das bedeutet aber nicht, dass Sie mit Bolt nur einen geringen Funktionsumfang nutzen können. Mit dem nötigen Know-how und dem Einsatz von Erweiterungen lassen sich auch umfangreichere Online-Projekte realisieren.
Die ursprüngliche Entwicklung begann mit einer niederländischen Marketingfirma, die mit Bolt ein CMS erstellte, um Websites für ihre Kunden zu erstellen. Inzwischen wird das Open-Source-Projekt auch von anderen unterstützt. Bolt richtet sich aber weiterhin an Webentwickler – sowohl für die Ersterstellung der Website als auch für die zusätzliche Konfiguration. Bolt hat ein übersichtliches Backend, in dem Redakteure Inhalte erstellen können. Doch die Arbeit mit dem CMS ist nicht so intuitiv und vereinfacht, wie man es beispielsweise von WordPress erwartet. Dennoch ist Bolt ein anwendungsfreundliches CMS, in dem man spannende Projekte umsetzen kann.

Made with Bolt:
Vrijop naam‚
pro europeana

Fazit:

Alle der obigen CMS haben ihre Vor- und Nachteile - mit allen können anwenderfreundliche, schlanke und vor allem schnelle Webprojekte umgesetzt werden. Aber wir müssen nicht um den heißen Brei herum reden: wir sind Kirby Fans - da wir hier das beste Gesamtpaket sehen. Daher haben wir schon viele Projekte in Kirby umgesetzt und schon einige Plug-Ins der Kirby-Community bereitgestellt.

Bei Fragen zu den Hidden Champions der CMS treten Sie gerne mit uns in Kontakt.

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